Akku-Laubbläser

Flüsterbläser für den Herbst

Text: Wolfgang Schmöhl | Foto (Header): © Susanne Schmöhl

Egal, wohin man hört oder sieht, Akkugeräte scheinen im Bereich der Grünpflege der Trend schlechthin zu sein. Doch können diese annähernd dasselbe leisten wie ihre Benzinkonkurrenten? Unser Autor war äußerst skeptisch und bat daher mehrere Firmen, ihm ihre Akku-Laubbläser zu Testzwecken zu überlassen.

Auszug aus:

Oktober 2018

DER HAUSMEISTER
Praxis – Technik – Sicherheit – Recht
Ausgabe Oktober 2018
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Bereits vor meinem Produkttest wurde ich darauf aufmerksam, dass bei Neuanschaffungen von Geräten sehr genau auf die Lärmbelästigung geachtet werden sollte, denn Lärm hat negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit und macht krank.

Die neue Arbeitsstättenregel ASR A3.7 (siehe hierzu Beitrag „Lärm am Arbeitsplatz“ S. 40/41) sieht vor, dass die Lärmminderung direkt an der Quelle – also bereits beim Einsatz des geeigneten Werkzeugs – berücksichtigt werden soll. Das war für mich ein wichtiger Punkt, den ich selbst nachvollziehen konnte, denn schon 20 Minuten mit einem Benzin-Laubbläser sind ohne Gehörschutz überhaupt nicht möglich, und selbst mit diesem ist man froh, wenn das Gerät wieder still ist.

 

Die Testgeräte

Ziel meines Produkttests war es also herauszufinden, ob ein Akku-Gerät, die angeblich deutlich leisere Variante, eine erhebliche Arbeitserleichterung bedeuten kann.

BOSCH

Als Erster lieferte die Firma Bosch mir ihren neuen Akku Bosch Professionell 36 V mit Gürtel, an dem man den Akku direkt befestigt. Somit muss der Akku, der alleine bereits 3 kg wiegt, nicht in der Hand gehalten werden – sehr angenehm. Der Gürtel ist komfortabel, breit geschnitten und schnürt überhaupt nicht ein. Ein weiterer Pluspunkt.

Einfacher Zusammenbau und schnelle Ladezeit
Der Zusammenbau des Akkus mit dem Gerät und Gürtel ist denkbar einfach. Das Studieren der wenig aussagekräftigen Gebrauchsanleitung kann man dabei getrost weglassen. Das Ladegerät hatte nach gut einer Stunde den 36-V-Akku vollgeladen.

Auch wenn der Bläser eigentlich nicht in Räumen benutzt werden soll, konnte ich nicht widerstehen und drückte schließlich den Startknopf. Das Gerät hat richtig Attacke und ist über einen Wippschalter direkt am Griff regulierbar. Die sich ebenfalls dort befindliche Schubregulierung reagiert sehr prompt und genau.

Akku mit digitalem Display
Das Gerät ist hervorragend ausbalanciert, hat ein ca. 1,20 m langes robustes Rückenkabel, das zum Akku führt und für einen Rechtshänder etwas mehr Spielraum bietet als für einen Linkshänder. Mit einem kleineren Akku kann der Laubbläser auch ohne Gürtel betrieben werden.

Das digitale Display, das sich ebenfalls am Akku befindet, bietet aufgrund seiner piktografisch unterstützten Prozentskala eine hohe Genauigkeit des Ladestands. Schade ist jedoch, dass die Werte bei starker Sonneneinstrahlung nur schwer ablesbar sind.

Starke Gebläseleistung bei hoher Vibrationsdämpfung
Die starke Leistung des Gebläses kann sowohl über eine Flach- wie auch über eine Runddüse in Einsatz gebracht werden. Bei längerem Dauerbetrieb empfehle ich jedoch aufgrund der gefühlten hohen Schallfrequenz einen einfachen Gehörschutz.

Die Vibrationsdämpfung ist ausgezeichnet, was sicherlich u. a. dem geringen Gewicht des Bläsers (ohne Akku im Gerät) geschuldet ist. Das Gerät ist daher für den Hausmeister-Alltag leicht einsetzbar und durchaus empfehlenswert.

 

EINHELL

Das deutlich preisgünstigste Gerät der Firma Einhell hat als einziges, der von mir getesteten Geräte, eine Saug- und Blasfunktion, die wechselseitig einsetzbar ist. Der Zusammenbau erfordert einige Minuten und den Einsatz eines Schraubenziehers. Jeder der beiden erforderlichen Akkus hat ein eigenes Ladegerät.

Auch hier waren nach einer Stunde beide Akkus vollgeladen. Allerdings waren für die Ladung zwei Steckdosen erforderlich. Die Akkus sind auch für die Kleingeräte-Serie von Einhell einsetzbar. Die vier Leuchtdioden am Akku lassen den Ladestand gut erkennen.

Extras: Räder am Saugrohr und Nylonsack Die für die Saugfunktion angebrachten Räder an der Spitze des größeren Saugrohrs verhindern ein Aufsetzen bzw. Ansaugen am Boden. Diese Räder zeigten sich jedoch bei der Blasfunktion als Handicap. Sie stören die Ausbalancierung des Geräts und sind beim Laubblasen eher hinderlich. Der angebrachte, gut verarbeitete Nylonsack hat eine ausreichend große Aufnahmefähigkeit, da das angesaugte Laub vorher noch durch die Häkselfunktion zerkleinert wird.

Das meines Erachtens noch zu wenig ausbalancierte Gerät von Einhell erfordert in den meisten Arbeitsbereichen einen Zwei-Hand-Betrieb. Sowohl Saugwie auch Gebläseleistung sind eher für den privaten Gebrauch ausgerichtet und weniger für den professionellen Bereich. Zum Zusammenblasen und Aufsaugen von Laub in kleineren Gärten mit glatten Flächen – aber auch von Hobelspänen – ist das Gerät jedoch durchaus einsetzbar.

 

HUSQVARNA

Der Laubbläser von Husqvarna war nun der nächste Testkandidat. Der Bläser ermöglicht durch seine knallorange Farbe eine gute Wiederauffindbarkeit im Gelände. Das Gerät ist hervorragend ausbalanciert, sehr leistungsstark und in der Geräuschentwicklung mit den anderen Geräten vergleichbar.

Die unterschiedlich großen Hochleistungs-Akkus, die von einem Kühllader zügig aufgeladen werden, sorgen für einen leistungsstarken Dauerbetrieb. Die Akkus werden am hinteren Griffteil seitlich eingesteckt und sind damit hervorragend feuchtigkeitsgeschützt. Die beiden mitgelieferten Flach- und Runddüsen ermöglichen einen vielseitigen Einsatz.

Das Bedienfeld: Fehlbedienungsschutz, Boostknopf und Tempomat
Um das Gerät grundsätzlich einzuschalten, muss der Startknopf ca. 1 1/2 Sekunden gedrückt gehalten werden. Dies dient als Fehlbedienungsschutz. Danach wird das Gebläse durch einen Wippschalter am Griff leicht und sehr genau reguliert. Der vorhandene Boostknopf steigert die Leistung um ca. 30 % für 30 Sekunden – mein Lieblingsknopf! Darüber hinaus verfügt das Gerät über einen Tempomatknopf. Allerdings sind sowohl Tempomat als auch Fehlbedienungssperre ein Luxus, den sich Husqvarna bezahlen lässt.

Der Hersteller bietet zudem viele Zusatzteile an. Dazu gehört ein Rückenakku (für 999 Euro UVP), aber auch ein Ladegerät, welches in den Zigarettenanzünder eines Autos eingesteckt werden kann. Dort, wo ausreichend Budget vorhanden ist, kann sich dieses absolute Profigerät mit seinem Zubehör mit jedem Benziner messen.

 

STIHL

Der Akkubläser von Stihl ist etwas größer als alle anderen von mir getesteten Geräte. Er ist in den klassischen StihlFarben weiß-orange gehalten und mit einem leistungsstarken Kühllader versehen. Auch hier erfolgt der Zusammenbau durch plug & play.

Starke Blasweite durch hohen Luftdruck
Der für den Dauerbetrieb ausgelegte Akku wird hinter dem Griff eingesteckt und sorgt für eine perfekte Ausbalancierung des Laubbläsers. Die etwas größere „Turbine“ erzeugt einen auffallend sonoren Klang und einen hohen Luftdruck. Durch die starke Blasweite ist der Einsatz auf großen Flächen sehr effektiv.

Sowohl leicht feuchtes als auch trockenes Laub lässt sich von Flächen wie auch aus Ecken und Fugen leicht herausblasen. Die Ein- und Ausschaltfunktion wie auch die Wippregulierung sind einfach gehalten und dennoch sehr prompt und genau.

Zahlreiche Zusatzteile
Auch Stihl bietet eine Reihe von Zusatzkomponenten an. Dazu gehört der Rückenakku (ab 949 Euro UVP) oder auch eine Gürteltasche. Preislich sind Husqvarna und Stihl vergleichbar, und auch Stihl gehört zu den absoluten Profigeräten.

 

MAKITA/DOLMAR

Mein letzter Testkandidat war von der Firma Makita bzw. Dolmar. Beide Geräte sind baugleich und unterscheiden sich lediglich durch ihre orange oder blaue Gehäusefarbe. Sie werden von zwei leistungsstarken 5-Ampere-Akkus in einem Doppelladekühler in etwas weniger als einer Stunde geladen. Die mitgelieferten Akkus von Makita passen sowohl auf das Gerät von Makita als auch auf das von Dolmar. Zudem sei noch erwähnt, dass das Ladegerät eine USB-Ladebuchse besitzt.

Tempomat als Stellrad
Die Geräte sind leicht und ausgesprochen stark in ihrer Leistung. Der sensibel reagierende Gashebel befindet sich am Griffstück und kann durch einen Feststellknopf fixiert werden. Darüber hinaus existiert ein Tempomat als Stellrad, der stufenlos mit dem Daumen bedient werden kann. Die beiden Geräte sind sehr gut ausbalanciert, und die Schallimmission ist mit der von anderen Laubbläsern durchaus vergleichbar.

Der Ladestand der Akkus lässt sich sowohl am Gerät als auch direkt an den Akkus anhand von Dioden gut ablesen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist bei diesen Geräten für mich absolut stimmig. Zudem sind die Akkus bei Makita und Dolmar so beschaffen, dass sie auch in Kleingeräte wie Akkuschrauber und Bohrer eingesetzt werden können – ein klares Plus.

 

Fazit

An dieser Stelle muss noch einmal explizit darauf hinweisen werden, dass sich Geräte, die für den Profieinsatz vorgesehen sind, in einer deutlich anderen  Preiskategorie bewegen als Haushaltsgeräte wie z. B. von der Firma Einhell.

Generell sollte in Betracht gezogen werden, dass es für die Kaufentscheidung etliche Parameter gibt: Budget, Beschaffenheit und Größe des Geländes, Einsatzdauer, bereits vorhandenes Werkzeug u. v. m.

Das spricht für die „Stromer“
Akku-Geräte sind i. d. R. leichter und vibrieren weniger als ihre Verwandten aus dem Benzinbereich. Sie stinken nicht und produzieren keine Abgase. Alle  getesteten Geräte sind mit Lithium-Ionen Akkus ausgestattet, d. h. es gibt keinen Memory-Effekt – über 1.000 Ladungen sind der Standard.

Sämtliche Profigeräte besitzen zudem einen Ladekühler, um die Akkus im optimalen Temperaturbereich zu laden. Eine Steckdose liefert jederzeit Strom und ist i. d. R. an jeder Ecke zu finden. Eine Tankstelle ist dagegen u. U. erst mehrere Kilometer entfernt. Ein Benzinmotor benötigt außerdem eine regelmäßige Wartung – ein Elektromotor nicht.

Elektrogeräte sind leiser. Ein Gehörschutz dient mehr der Konzentration, ist aber nicht zwingend notwendig. Alle getesteten Profigeräte bieten wahlweise Rucksack- oder/und Gürtelakkus an. Das erleichtert die Arbeit und ist im Dauereinsatz zu empfehlen.

Elektrobetriebene Geräte sind zwar in den Anschaffungskosten meist höher als Benziner, in den Betriebskosten jedoch extrem im Vorteil, denn Wartungskosten und Aufwand fallen nahezu weg. Lärm und Abgase machen zudem krank und schaden unserer Umwelt. Dort, wo nicht die Kraft eines Motors, sondern die Geschwindigkeit eines Gebläses entscheidend ist, wird der E‑Motor immer gewinnen und die Zukunft bestimmen.

 

Marktübersicht Akku-Laubbläser

Gerät DUB362Z GBL 860 –
0600916000
536LiB 536LiB GE-CL 36 Li E – Solo
Bild

© Makita

© Bosch

© Husqvarna

© STIHL

© Einhell Germany AG

Hersteller Makita Robert Bosch Power Tools GmbH Husqvarna ANDREAS STIHL AG & Co. KG Einhell Germany AG
Gewicht 3,5 – 4,2 kg 3,9 kg 2,4 kg, ohne Akku 3,2 kg, ohne Akku 3,38 kg, ohne Akku
Schalldruckpegel dB(A) 79,1 81 82 83 83,1
Schallleistungspegel dB(A) 93,5 99 97 98 92,68
Vibratsonwert m/s² 1,5 0,9 0/0,5 2,5 2,354
Luftgeschwindigkeit 13,4 m³/min 860 m³/h ohne Boost: 700 m³/h
mit Boost: 822 m³/h
665 m³/h max. Saugleistung: 720 m³/h
max. Blasleistung: 195 m³/h
Luftvolumen bürstenloser Motor EC-Motor BLDC (brushless) EC-Motor bürstenloser Motor
Motor-Typ 44/25/16/12/9/6.3 mit BL1830 (3,0 Ah Akku) 18 min bei 6,0 Ah-Akku 21 min AP 300/24 min 18 Volt/4,0 Ah Lithium-Ionen-Akku, ca. 25 min Laufzeit
Akku-Modell: Laufzeit 2 – 3 Jahre 3 Jahre Garantie + 24 Monate ProService gesetzlich 24 Monate bei privater Nutzung/12 Monate bei gewerblicher Nutzung 24 Monate
Garantie 244,99 € inkl. MwSt., ohne Akku und Ladegerät 419 € zzgl. MwSt., ohne Akku und Ladegerät 429 € inkl. MwSt., ohne Akku und Ladegerät 299 € inkl. MwSt., ohne Akku und Ladegerät 99,95 € inkl. MwSt., ohne Akku und Ladegerät
Extras/Besonderheiten ideal für den Einsatz in geräuschempfindlichem Umfeld Akku wird im Hüftgürtel getragen, wetterfestes Akku-System ergonomischer Griff, Tempomat, Boost-Modus, aktive Akku-Kühlung elektronische Drehzahlregulierung, verstellbarer
Zusatzhandgriff, Fangsack mit Sichtfenster, komfortabler Tragegurt, große Führungsräder

Die Marktübersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Angaben sind Herstellerangaben.

Der Autor

Wolfgang Schmöhl,
geboren 1970 in München, ist seit mehr als 25 Jahren selbstständig tätig. Nach einer Kochlehre eröffnete er 1992 sein Zoogeschäft direkt in München. Dort erledigte er sämtliche Einrichtungsarbeiten in Eigenregie. Sein 2015 gegründeter 1A Montageservice erhält heute Aufträge im kompletten deutschsprachigen Raum. Die Schwerpunkte liegen in der Montage von Lichtdecken und Maßanfertigungen aus Holz.

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